… auf die schiefe Bahn

DIY ist mitunter eher eine Beschäftigungstherapie als ein echter (finanzieller) Gewinn. Aber es gibt ja Wichtigeres als Geld.

Nach dieser kryptischen Einleitung hier nun die Bildergeschichte eines kleinen Fitnesstraininggerätes.

»Du«, sagte meine Frau, »ich könnte ein Schrägbrett für mein Training gebrauchen.«
»Hm?«, erwiderte ich. »Was für ein Ding?«

Und dann zeigte sie mir, was sie meinte: ein kleines Brett, das man in einem bestimmten Winkel auf den Boden stellt und beim Draufstellen die Wadenmuskeln dehnt. So, oder so ähnlich ist das Konzept. Was mich aber an der Sache irritierte, war der Preis, den meine Frau dafür ausgeben wollte: Fast 30,– € sollte dieses Holzbrettchen im Versand kosten!

Pah, das baue ich Dir an einem Wochenende selbst!

Sprach ich und legte – nach einer kleinen Vorlaufzeit von einigen Wochen – auch sofort los.

Ich schnappte mir die Vorlagen, die ich aus den kleinen Bildchen des Versandhandels eingefangen hatte, und erstellte mit meinem Illustrationsprogramm die Konstruktion. Mein Anspruch war, dass mein Ergebnis in die gleichen Winkel zu bringen war wie das „Original“ – also das beinah gekaufte Stück Holz.

Material aus dem Fundus

Im Bastelkeller befand sich noch ein preiswertes Leimholzbrett in den Maßen 80 cm × 40 cm × 1,7 cm. Das sägte ich in folgende Teile:

Zunächst das Brett, auf das sich meine Frau später stellen würde (Abbildung der Vorder- und Rückseite). Zum besseren Hantieren bohrte und sägte ich noch eine Grifföffnung ein.

Die Abmessungen sind 30 cm × 40 cm:

Um einen sicheren Stand (auch mit Turnschuhen und bei sehr steilem Winkel) zu gewährleisten, bestellte ich eine selbstklebende Beschichtungsfolie. Stichwort: »Skateboard Griptape« in den Maßen 23 × 50 cm:

Sobald diese Skateboard-Folie bei uns im Hause war, schnitt ich mit dem Cutter zwei passende Teile zu und klebte sie auf die Vorderseite des Trittbretts:

Um das Trittbrett später sehr steil anwinkeln zu können, musste ich die Unterkante abwinkeln:

Die Kanten schliff ich besonders rund:

Dann sägte ich das Brett, auf dem das Trittbrett später montiert werden sollte. Um eine Art »Abstandsriegel« (kommt weiter unten) in unterschiedlichen Positionen einstecken zu können, bohrte ich diese Löcher:

Hier die Oberseite des Bodenbrettes. Die Abstände der Bohrungen hatte ich durch vorläufiges Zusammenbauen der Elemente und Messen der resultierenden Winkel ermittelt:

Um auch dem Bodenbrett von der Unterseite mehr Haftung zu verleihen, verwendete ich eine Anti-Rutsch-Folie. Diese wird in der Regel zum Auslegen in Küchenschubladen eingesetzt. Ein passendes Reststück lag auch noch im Bastelkeller:

Hier das eingesetzte Montagematerial im Überblick (befand sich ebenfalls alles im Keller):

Mit der doppelseitigen Klebefolie befestigte ich die oben erwähnte »Schubladenfolie« unter dem Bodenbrett:

Ein drittes Brett sollte zwischen Boden- und Trittbrett den Winkel einstellbar machen. Hier die Vorder- und Rückseite des Brettchens:

Auch hier sorgte ich natürlich für weiche Kanten:

Jetzt kommt der oben schon erwähnte »Abstandsriegel«:

Ich sägte eine Holzleiste (20 mm × 21 mm) auf die Breite der Bretter (ca. 30 cm) zu und bohrte drei Löcher hinein.

Den Durchmesser der Bohrlöcher wählte ich so, dass ich zugesägte Abschnitte eines Rundstabes (den ich natürlich auch im Bastelkeller gefunden hatte) hindurchstecken konnte.

Zur Fixierung der Rundstäbe bohrte ich seitlich durch Leiste und Rundholzabschnitte. Hier wählte ich den (kleinen) Durchmesser so, dass ich Schaschlikspieße (dieses Mal NICHT im Bastelkeller, sondern in der Küche gefunden!) einleimen konnte. Nach dem Bündigsägen und Schleifen ergab das eine saubere und sichere Verbindung.

Um zu verhindern, dass sich das dritte Brett nach oben bewegen konnte, fräste ich noch an beiden Seiten der »Justierleiste« eine Nut ein. Darin konnte sich das dritte Brett »einklinken«:

Einen weiteren, positiven Effekt haben diese beidseitigen Nuten: Man kann die Leiste dadurch auch sehr bequem von einer Position in eine andere stecken:

Für die Einstellung des flachsten Winkels wird die Leiste mit den Zapfen in die äußerste Lochreihe des Bodenbrettes gesteckt:

Etwas steiler wird das Trittbrett durch das Versetzen der Leiste nach innen:

Und so geht es weiter …

… bis sich die Leiste in dieser Position befindet und das Trittbrett im steilsten Winkel eingestellt ist:

Die Befestigung der drei Bretter nahm ich mit robusten Beschlägen aus dem Baumarkt vor (hatte ich auch noch im Bastelkeller liegen):

Zur Erklärung des folgenden Fotos: Das Holzbrett rechts im Bild (hochkant) ist die spätere Bodenplatte, links im Bild (schräg) das kleinste Brettchen und das horizontal abgebildete Brett ist das Trittbrett in der Ansicht von unten:

Und so sieht das Ergebnis am Ende des Bastelprojektes aus:

Abschlussbetrachtung und Bewertung

Schaut man auf das Projekt aus dem rein kommerziellen Blickwinkel, bestehen zu Recht Zweifel, ob nicht das im Versand bestellte Gerät preiswerter gewesen wäre.

Material

Klar: die meisten Elemente, aus denen ich dieses Teilchen gebaut habe, lagen schon bei uns im Bastelkeller (respektive in der Küche). Zugekauft habe ich nur die Skateboard-Beschichtung – Kosten: 9,– €. Aber auch die vorhandenen Teile habe ich ja zu einem früheren Zeitpunkt gekauft. Ich bin mir daher nicht sicher, ob ich die Grenze von ca. 30,– € beim Summieren der Materialkosten erreichen oder sogar überschreiten würde.

Arbeitszeit

Beim Bauen und Basteln in meiner Freizeit geht es mir ja nicht vorrangig um Kostenersparnis. Obwohl ich – unter dem Strich – mit Sicherheit durch mein lebenslanges Selbermachen schon sehr viel Geld gespart habe. Und:

Die kreativ-schöpferische Tätigkeit ist gar nicht als Kosten-, sondern als Gewinnfaktor zu bewerten!

Bin ich daher mit dem Ergebnis zufrieden? Ja.

Was bleibt?

Ich habe noch gar nicht darüber berichtet, was ich alles im Laufe dieses kleinen Projektes gelernt habe. Denn so linear, wie ich es oben darstelle, lief das Ganze nicht ab! Ich kam oft an einen Punkt, an dem ich mir überlegen musste, wie ich weiterkommen – wie ich zum Ziel gelangen würde. Das ging mit der Bestimmung der einstellbaren Winkel los und endete längst nicht bei der »Erfindung« des Justierbalkens. Daher nehme ich alle Erfahrungen aus diesem Projekt mit auf die »Haben«-Seite.

Und die handwerkliche Beschäftigung war wieder persönlicher Gewinn und willkommener Ausgleich zu meiner sitzenden und eher mental anstrengenden beruflichen Tätigkeit.

Und meine Frau? Sie hat mich – wie sie es übrigens oft tut – schon während der Bauphase unterstützt und bei Fragen zur Ausführung beraten. Daher ist sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Allerdings habe ich sie auch nie gefragt, ob sie lieber dieses Holzteil aus dem Versand gehabt hätte …

Wie denkt Ihr über dieses Projekt? Lasst mir gern Euren Kommentar hier – ich freue mich darüber!


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