Ups, der Monat ist schon fast wieder vorbei und ich habe noch keinen Blog-Beitrag geschrieben. Also: Schnell den nächsten Teil des Berichts über die Superbooth 2025 und die Superbooth 2026 schreiben!
Schließlich wartet auch noch der Bericht über die DOKOMI 2025. Und – jetzt haltet euch fest! – die DOKOMI 2026 habe ich ebenfalls schon besucht. Das wird also ebenfalls ein mehrteiliger Blog-Post werden …
Weiter geht’s nun mit »Superbooth 2025 und 2026 Teil 3«:
Wo ist Andreas?
So lautete das letzte Kapitel im vorherigen Blog-Beitrag. Und ich hatte schon berichtet, dass ich Andreas Schneider (der ja den ganzen Bums … äh, also die Superbooth ins Leben gerufen hat) im Jahr 2025 nur von weitem gesehen hatte. Witzige Begebenheit: Im Streetfood-Bereich der Superbooth 2025 kam ich mit anderen Besuchern ins Gespräch, die mit mir am Tisch saßen. Ich erzählte über meine überaus angenehme Begegnung mit Andreas vom Vorjahr. Da drehte sich eine Frau am Tisch zu mir und sagte: „Andreas ist übrigens mein Bruder.“ Daraufhin entspann sich ein kurzer Small Talk … ts, ts, ts, Dinge gibt’s …
Was brachte mir die Superbooth 2025?
Ganz subjektiv, aus der Perspektive eines Menschen, dessen liebstes Hobby die Musikproduktion ist? Kann ich in drei Worte packen:
Ausdruck, Artikulation, Modulation
Um genauer zu sein: mehr Ausdruck, mehr Artikulation und mehr Modulation. Aber das wären dann sechs Worte und … na ja: Wir haben ja keine Zeit!
Unter dieser Überschrift möchte ich all die Dinge zusammenfassen, die mir als Trend während dieser Messe aufgefallen sind. Und – so viel darf ich schon einmal spoilern – dieser Trend setzte sich auf der Superbooth 2026 fort.
Was meine ich damit?
Erstes Beispiel:
Keyboards, deren Tasten ganz anders angeordnet sind, als die Tasten bei konventionellen Keyboards
Die Janko Klaviatur

Die Beschreibung des Herstellers (Link: Reinert Piano):
Die Janko Klaviatur ist eine alternative Klaviertastenanordnung, die isomorph ist. Das bedeutet, dass die Tasten regelmäßig angeordnet sind. Dadurch haben Intervalle, Akkordformen und Fingersätze immer die gleiche Form – unabhängig von der Tonart. Ähnlich wie bei einer Gitarre kann man beispielsweise die Form eines Dur-Akkords greifen und diese einfach verschieben, um sie zu transponieren.
Zweites Beispiel
Eine App, die es erlaubt, elektronische Musikinstrumente mithilfe eines Smartphones oder einer Smartwatch zu steuern – durch Bewegung im Raum!
Flowfall

Vorab eine Erklärung der Fachbegriffe:
»Ableton Live« und »Max/MSP« sind Programme, mit denen elektronische Musik produziert wird (ich selbst nutze »Ableton Live«).
Mit »Latenz« ist hier die Zeit gemeint, die zwischen dem Auslösen eines Steuerbefehls und der Ausführung der Reaktion vergeht. Das ist für Musiker eine wichtige Größe: auf Tastendruck muss (gefühlt) sofort der Ton erklingen.
Und mit »Plug-ins« sind die elektronischen Musikinstrumente z. B. innerhalb »Ableton Live« gemeint.
Beschreibung des Entwicklers (flowfal.com):
Flowfal ist ein System, mit dem sich Ableton Live oder Max/MSP über die Bewegungsdaten eines oder mehrerer Apple- oder Android-Smartphones oder Smartwatches steuern lassen. Diese Geräte, auf denen die Flowfal-App läuft, senden Daten über eine WLAN-Verbindung mit geringer Latenz.
In Ableton Live oder Max werden die Flowfal-Daten von einer Reihe von Plug-ins empfangen, die diese Bewegungsdaten auf unterschiedliche Weise verarbeiten.
Übersetzt mit DeepL.com
Drittes Beispiel
Wen die Interaktion zwischen Smart-Devices und Musik-Software schon beeindruckt, der sollte sich einmal dieses System anschauen: Hier reagiert die Musik-Software auf die Bewegungen von tanzenden Personen!
Sonic Moves

Das Ganze scheint ein enorm mächtiges Werkzeug zu sein – mit dem damit verbundenen, sehr umfangreichen, programmiertechnischen Unterbau.
Beschreibung des Entwicklers (Sonic Moves):
Sonic Moves verbindet Klang mit Bewegung. Die Anwendung nutzt 3D-Körperverfolgung anhand von Live-Videomaterial, um dynamische Klangkompositionen in Echtzeit zu steuern. Es ist keine spezielle Hardware oder Sensoren erforderlich, und die Anwendung ist wirklich sofort einsatzbereit.
Übersetzt mit DeepL.com
Viertes Beispiel
Wieder etwas konventioneller beschäftigt sich die nächste Hardware mit der Erzeugung und dem Steuern von Akkorden.
NapkeyChord

Beschreibung des Entwicklers (Napkey Instruments):
Das NapkeyChord ist ein tragbares und elegantes Instrument mit 108 Akkorden, die unendliche Möglichkeiten bieten. Der NapkeyChord bietet 36 Dur-, Moll- und Septakkorde sowie die Möglichkeit, bis zu 108 Akkorde freizuschalten (die 24 Maj7- und Min7-Akkorde, die 24 übermäßigen und verminderten Akkorde sowie die 24 Sus4- und Add9-Akkorde). Mit seinem ausdrucksstarken Touchpad können Sie reichhaltige Stimmungen, Begleitungen und Klänge erzeugen, die Ihre musikalische Reise bereichern werden.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
Fünftes Beispiel
Hier ein Aussteller, der alles andere als ein Geheimtipp ist. Haken Audio ist seit über 40 Jahren ein Mitspieler auf dem Feld der ausdrucksstarken elektronischen Musikinstrumente.
Haken Audio

Natürlich kenne auch ich seit vielen Jahren diesen Hersteller. Und 2025 hatte ich endlich die Gelegenheit, die »Spielfläche« dieser Instrumente auszuprobieren. Ich freue mich, dass die Superbooth mir solche Gelegenheiten ermöglicht.
Vor dem Ausprobieren hatte ich in Bezug auf »Haken Audio« folgende Meinung:
- Die Hardware ist SEHR teuer!
- Die Spielfläche ist sehr außergewöhnlich
- Die integrierte Software ist SEHR kompliziert. Die Bedienung der Software soll angeblich eher einer klassischen Software-Programmierung gleichen.
- Werden die Geräte von geübten Personen vorgeführt, sind die musikalischen Ergebnisse positiv sehr beeindruckend.
Als ich meine Finger auf diese textilen Spielflächen legte und eine musikalische Performance darbieten wollte, erklangen (zum Glück nur) in meinem Kopfhörer verstörende Geräusche. Ja: Einzelne Töne klangen sehr realistisch nach akustischen Instrumenten. Das liegt an der sehr aufwendigen (und angeblich physikalisch korrekten) Berechnung der Töne. Besser gesagt: des Tons. Ich hörte nämlich immer nur einen einzigen Ton, da das Testgerät vor mir das kleinste Modell war und es tatsächlich nur monofon (!) Klänge erzeugte. Das Spielerlebnis selbst fand ich eher verstörend. Und ich bin immerhin die weiche Spielfläche eines Seaboard 2 von ROLI gewohnt!
Auf diesen Hersteller möchte ich mich später (ja, sorry: Es geht immer noch weiter) noch einmal beziehen.
Sechstes Beispiel
Keyboard-Hersteller beschränken sich nicht mehr auf die üblichen zwei »Räder«, die sich meist links der Tasten befinden. Hier ein Bild typischer Vertreter dieser Gattung Artikulationsspielhilfen vom Keyboard Yamaha Tyros4:

Einen Trend zu weiteren, ausdrucksstarken Bedienelementen habe ich unter anderen bei den Produkten dieses britischen Unternehmens bemerkt:
U.D.O. Audio

Das Keyboard mit der Bezeichnung »Super Gemini« hat mich klanglich sehr beeindruckt. Aber in diesem Zusammenhang möchte ich auf den schmalen, dunklen »Streifen« oder »Balken« oberhalb der Tasten hinweisen: Der hier eingebaute »Expressive Ribbon Controller« gibt der spielenden Person eine zusätzliche Dimension bei der Steuerung der musikalischen Darbietung. Am Stand von U.D.O. Audio (die Abkürzung U.D.O. steht übrigens für »Unknown Dance Object« – also »Unbekanntes Tanzobjekt«!) erfuhr ich, dass der »Expressive Ribbon Controller« auch als einzelner MIDI-Controller zu erwerben ist. Hm, interessante Option!
Letztes Beispiel:
Ein Keyboard, das zwar konventionelle Tasten besitzt, aber doch Grenzen durchbrach (als es auf den Markt kam):
Das Osmose von Expressive E
Der Clou an diesem Gerät sind zunächst einmal die Tasten. Zunächst sehen sie sehr konventionell aus: schwarz-weiß, Standardgröße, Anordnung und Anzahl auch eher unauffällig:

Kurzer Exkurs: Bei einem »normalen« Keyboard kann man die Tasten herunterdrücken. Wenn man das schnell macht, ertönt ein lauter Ton. Bei langsamem Anschlag wird ein leiser Ton wiedergegeben. Wurde der Ton einmal ausgelöst, hat man als Keyboard-Spieler bei einigen, speziellen Tastaturen die Möglichkeit, die Tasten noch etwas weiter nach unten zu drücken. Dann kann sich der (noch anhaltende) Ton ändern. Er kann z. B. anfangen, in eine sanfte Tonhöhenschwankung zu geraten. Um so ein »Vibrato« auszulösen, ist eine solche Technik gut geeignet.
Jetzt gab es auch vor dem Osmose schon Keyboards, die das beherrschten. Aber Expressive E gingen noch weiter: Sie spendierten JEDER Taste ein individuelles Auslösen in dieser Technik. Jetzt wurde das Mitbewerberfeld schon klein.
Nun endete aber die Möglichkeit der Ausdrucksstärke damit noch nicht. Die findige französische Firma überlegte sich:
Wenn dieses Vibrato nur ein- oder ausgeschaltet oder ein- oder ausgeblendet wird, ist das ja ganz nett. Aber warum steuern wir die Stärke und Art der Tonhöhenveränderung nicht mit einer SEITLICHEN Hin- und Herbewegung der Taste? Das machen Gitarristen doch schon seit Jahrhunderten: Durch das Ziehen einzelner Saiten (auch bei gehaltenen Akkorden!) verändert nur ein Ton seine Tonhöhe. Auf diese ausdrucksstarke Spielweise waren Keyboardspielende zu Recht immer sehr neidisch!
Also entwickelten Expressive E eine Tastatur, deren Tasten einzeln eine kontrollierte Bewegung nach links und rechts zuließen und diese Steuerinformationen zur Klangformung nutzen konnten.
Als das Keyboard auf den Markt kam, sorgte es für ähnlich viel Aufsehen wie damals das Seaboard von der Firma ROLI. Und auch das Osmose funktionierte nach dem MIDI-Standard »MPE«.
Aufmerksame Leser meines Blogs werden nun sofort rufen:
MPE! MPE! MPE! Davon ist Christian doch geradezu besessen!
Und sie haben recht: JA! Ich habe nicht zufällig ein vieroktaviges Seaboard 2 von ROLI. Und ich möchte dieses multidimensionale MPE-Keyboard auch nicht mehr missen. Aber zusätzlich hatte ich im Jahr 2025 noch ein »konventionelles« Keyboard. Mit »richtigen« schwarz-weißen Tasten. Aber das »Osmose« reizte mich sehr: Hatte es doch MPE-Fähigkeiten UND normale Keyboardtasten!
Warum ich mir das Osmose nicht gekauft habe
Ganz einfach: Es war mir schlicht zu teuer. Und das hatte die Ursache in der Tatsache, dass es kein reines Controller-Keyboard war, sondern eine interne Tonerzeugung besaß. Und diese Tonerzeugung kam von der Firma »Haken Audio«.
Hoppla! Habe ich den Namen nicht weiter oben schon einmal geschrieben? Ja. Und ich verrate hier und jetzt schon: In einem vierten Teil dieses Beitrages (es sieht so aus, dass ich den tatsächlich auch noch schreiben muss!) komme ich auf die beiden Themen »Haken Audio« und »Expressive E / Osmose« noch zu sprechen!
Vorher möchte ich aber diesen dritten Teil mit der Auflösung der Frage beenden:
Was haben diese sieben Beispiele gemeinsam?
Auf den Punkt gebracht:
Als Musikmachender habe ich immer mehr Möglichkeiten, mich musikalisch auszudrücken.
Vielleicht hilft die Vorstellung einer grafischen Darstellung:
Wenn am Anfang einer Skala für Komplexität ein simpler Ton beim Niederdrücken einer Taste erklingt und beim Loslassen der Taste sofort wieder verstummt, dann wird das andere Ende der Skala gerade gewaltig verschoben!
Das bedeutet:
Durch unterschiedliche Maßnahmen (durch Software, Hardware oder Kombinationen von beiden) kann ich akustische Ereignisse (nennen wir es einmal »Musik«) viel gezielter und vielfältiger
- modulieren (Tonhöhe, Lautstärke, Klang),
- sich im zeitlichen Ablauf entwickeln lassen,
- nach dem Auslösen von Klängen noch Modulationen durchführen und
- das Ausklingen von Klängen beeinflussen,
als es mir jemals zuvor möglich war. Und all das gilt für jede einzelne Note!
Ich beschreibe das mal anhand meines Spiels mit meinem »Seaboard Rise 2« von »ROLI«.

Damit kann ich:
- jeden Ton so weich oder hart einsetzen lassen, wie ich in der Lage bin, die Steueroberfläche zu berühren.
- Anschließend kann ich durch mehr oder weniger starken Druck auf die weiche Oberfläche des Instruments den Klang jedes einzelnen Tons verändern.
- Um nun einen Ton oder mehrere der Töne nach dem Auslösen in der Tonhöhe noch zu verändern, schiebe ich den entsprechenden Finger nach links (Ton wird tiefer) oder rechts (Ton wird höher).
- Wenn ich dann meine Finger, die mehr oder weniger intensiv in diese weiche Oberfläche eingedrungen sind (wieder für jeden Finger individuell!), nach vorn schiebe, verändert sich der Klang schon wieder auf eine andere Art.
- Oder ich schiebe einen oder mehrere Finger ganz nach oben oder unten. Dort befindet sich auf der weichen Spielfläche ein Bereich, der vollkommen glatt ist. Jetzt kann ich meine Finger über die gesamte Länge der Spielfläche (!) bewegen und die Tonhöhen extrem nach unten oder oben ziehen.
- Und abschließend hebe ich mehr oder weniger schnell die einzelnen Töne und lasse dadurch (schon wieder individuell!) jeden Ton so ausklingen, wie ich es möchte (wenn das gewählte Klangprogramm es so vorsieht).
Diese sehr kompliziert zu lesende Spielweise führe ich als Musikmachender intuitiv und während des Spiels durch.
So kompliziert diese Vorgänge auch zu beschreiben sind, so natürlich empfinde ich mittlerweile das Spiel auf einer Fläche, die so gar nicht nach »Tasten« aussieht.

Aber am Ende dieses Teils gestehe ich: Manchmal benötige ich doch die schwarz-weißen Tasten!
Daher zog ich in diesem Jahr in Richtung Berlin zur Superbooth 2026 mit einer klaren Mission los:
Gibt es ein Keyboard, das so multidimensional wie ein Seaboard ist und trotzdem die schwarz-weißen Standardtasten bietet?
Darüber werde ich im vierten (und letzten: versprochen!) Teil der Berichterstattung berichten.
Und um diesen vierten Teil auch auf keinen Fall zu verpassen, könnt Ihr Folgendes tun: die eigene E-Mail-Adresse ins Feld eingeben und auf die Fläche »Subscribe« / »Abonnieren« klicken – fertig:
